1. Etappe: 09.07.2016 Mayen – Ahrdorf – Gillenfeld: 93 km

Mit der Eröffnungsveranstaltung auf dem Marktplatz von Mayen begann gestern die 18. Fairplay Tour der Großregion. Neben Vertretern der Stadt, des Landessportbundes, der Welthungerhilfe und der Kreissparkasse begrüßte uns unser ehemaliger Schulleiter Herr Schumacher. Leider spielte das Wetter gestern noch nicht mit.
Heute dagegen ging es bei bestem Sommerwetter auf die erste Herausforderung. Für unsere Schule stiegen heute Felix Walkenbach, Niclas Gerigk, Lasse Lindermann und Maike Ullenbruch aufs Rad. Florian Effert stößt erst morgen in Belgien zu uns. Er hat noch ein wichtiges Handball-Turnier.
Die erste Etappe hatte es dann gleich in sich. Von Mayen ging es erst einmal entspannt durchs schöne Nitztal, um dann zum Nürburgring aufzusteigen. Leider gab es anschließend bereits einige Stürze, die meist auf Unachtsamkeit zurück zu führen waren. Unser Team war glücklicherweise nie betroffen.
Einen Ausfall hatten wir dennoch zu beklagen: Maike musste nach 62 Kilometern in den Bus umsteigen, da sie nicht mehr konnte. Sie ärgerte sich selbst am meisten darüber. Lasse quälte sich mit Schmerzen durch, immer angetrieben von Felix. In Gillenfeld angekommen, hatten wir dann rund 1700 Höhenmeter bewältigt. Aufgrund der Hitze und des anspruchsvollen Profils war dann heute Abend die Motivation auch nicht mehr so hoch. Es herrschte vielmehr ein allgemeines Gejammer über sämtliche Wehwehchen vor, teils selbstverschuldet: So klagte Lasse über seine knallroten, vom Sonnenbrand schmerzenden Arme, nachdem er mittags die Sonnenmilch von Herrn Reiz abgelehnt hatte.

 

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2. Etappe: 10.07.2016 Gillenfeld – Hillesheim – Bütgenbach: 83 km

Die ersten 30 Kilometer der heutigen Etappe bis zur Mittagspause entsprachen den letzten 30 Kilometern des gestrigen Tages. Konnten wir gestern noch zum Ziel rollen, mussten wir das heute bergauf, was einige bereits an ihre Grenzen brachte. Die frühe Mittagspause nutzen wir dann auch zum Auftanken. Glücklicherweise wurde es anschließend entspannter und die letzte 30 Kilometer rollten wir über den Vennbahn-Radweg entspannt nach Belgien.
Der Radweg führte aber zu anderen Problemen: Immer wieder mussten wir auf Einhaltung der Regeln achten, um Zusammenstöße mit dem Gegenverkehr zu vermeiden. Auch die Hitze war der allgemeinen Konzentration nicht unbedingt zuträglich.
Im Allgemeinen ist nicht unbedingt die Distanz das Problem. Die lange Zeit auf dem Rad macht uns zu schaffen. Start ist in der Regel um 9 Uhr und Ankunft am Zielort um 16:30 Uhr.
Unser Team kam dann aber geschlossen und unfallfrei nach Bütgenbach und freute sich auf einen Sprung in den kühlen Badesee.
Dort zeigte sich dann auch wie anstrengend diese Etappe dann doch zu sein schien. Beim Abendessen musste wohl sehr sehr viel Energie wieder aufgefüllt werden. Unser Spitzenreiter war Niclas, der erst zweieinhalb Teller Nudeln verdrückte uns sich anschließend mit den anderen noch eine Pizza beim Italiener holte.
Nachdem wir uns nach einer Dusche noch ausgiebig gestärkt hatten, kam dann auch Florian an.

 

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3. Etappe: 11.07.2016: Bütgenbach – Bleialf – Parc Hosingen: 98 km

Gestartet in Belgien machten wir unsere Mittagspause bei leckerer Kartoffelsuppe und Würsten in Deutschland und beendeten die Etappe in Luxemburg. Wir besuchten auf unserer heutigen Fahrt also bereits alle Länder, die wir auf der diesjährigen Tour im Programm haben.
Rollten wir anfangs wieder über den schönen Vennbahnradweg, so wurde die Etappe von Kilometer zu Kilometer immer anstrengender. Den Höhepunkt bildeten die letzten Kilometer bis Parc Hosingen. Auf ca. 4 Kilometern hatten wir 200 Höhenmeter zu überwinden. Dementsprechend musste viel geholfen werden, der Anteil von Aufgaben war aber überraschend niedrig. Auch unsere fünf Schüler kamen im Zielort auf dem Fahrrad an. Florian und Maike benötigten zwar etwas Hilfe und eine Menge Motivation durch die Betreuer unserer Radgruppe 6, aber auch sie hielten diese anspruchsvolle Etappe durch. Der Stolz bei der Zielankunft war daher durchaus berechtigt. Es ist immer wieder faszinierend wie sich alle helfen, um eine solche Etappe gemeinsam zu meistern.
Parc Hosingen erwies sich also tolles Ziel einer Etappe. Neben nagelneuen Räumlichkeiten gab es auch wieder Möglichkeiten, sich zusätzlich extern zu versorgen, was unsere Junges und Mädel(s) natürlich nutzten. Lasse schwärmte anschließend von einer riesigen Portion Spaghetti Bolognese mit Pommes. Man kann halt nie genug davon bekommen..

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4. Etappe: 12.07.2016: Parc Hosingen(L) – Bastogne(B) – Arlon(B): 95 km

Mit reichhaltigem Frühstück starteten wir im schönen und neuen Parc Hosingen auf eine wellige Etappe nach Belgien. Nach 40 Kilometern konnten wir uns im Park von Bastogne bei Sonnenschein erholen, bevor die letzten 55 anstrengenden Kilometer durch Belgien begannen. Wir halfen uns gegenseitig durch Schieben oder Motivation. Lasse schaffte es, andere zu schieben, Maike musste zeitweise geschoben werden, Florian war gegen Ende der Etappe dann auch auf meine Hilfe angewiesen. Mehr als einmal hörte ich in den letzten Tagen den Satz: „Ich kann nicht mehr, ich steig hier aus!“ Mein meistgenutzter Satz der letzten beiden Tage war somit auch: „Aufgeben gehört nicht zu den möglichen Optionen.“ Und es wirkte, alle standen auch diese Etappe bis zum Ende durch.
Als wir dann erschöpft in Arlon ankamen, dämpfte sich unsere Freude über die Zielankunft schnell. Offenbar muss es, auch zum Unmut der Organisatoren, bei jeder Tour einen Ort geben, der katastrophal ist und uns vor Augen führt, wie gut wir es eigentlich zu Hause haben. Wir fühlten uns wie in einer anderen Welt. Die Halle ist alt und dreckig, die Duschen ekelig bis kaum nutzbar, eine funktionstüchtige Toilette für 350 Personen. Wir bekamen dann zumindest das Angebot, im Schwimmbad zu schwimmen oder zu duschen. Als die Hälfte im Wasser war, fiel der Kassiererin auf, dass wir keine Badekappen haben. Also alle wieder raus. Die Duschen entpuppten sich als Rinnsal inmitten der Schwimmhalle, also sowohl vom anderen Geschlecht als auch von den einheimischen Schwimmern einsehbar. Letztere schauten dann auch etwas verstört als wir duschten…
Das Abendessen entpuppte sich dann als Brötchen mit zwei Scheiben Wurst. Wir entschieden uns spontan für die Pommes Bude und die Pizzeria. Wir packen das schon…

5. Etappe: 13.07.2016: Arlon(B) – Esch-sur-Alzette(L) – Luxembourg (L): 65 km

Nach dem gestrigen Tag hatten wir die heutige „Erholungsetappe“ bitter nötig. Es war eine entspannte Fahrt über leicht welliges Gebiet bis zur ausführlichen Mittagspause, ganz ungewohnt bereits nach 32 Kilometern. 10 Kilometer vor dem Ziel erwischte uns dann doch noch der Regen. Und mit dem Regen wurde der sowieso schon recht frische Tag eiskalt: 11,5°C stand auf dem Tachothermometer! Als wir schließlich nach nur 65 Kilometern in Luxembourg Stadt ankamen, lachte aber schon wieder die Sonne vom Himmel.
Maike hatte heute eine Wette am Laufen und schaffte es dann auch komplett ohne Hilfe über die gesamte Etappe, meist ist es halt doch nur Kopfsache.
Leider haben wir aber auch einen Ausfall zu beklagen. Lasse konnte die heutige Etappe erst gar nicht antreten und wird uns heute in Richtung Heimat verlassen. Er hatte bereits vor der Tour eine Verletzung, die nach den Belastungen der letzten Tage so schlimm wurde, dass es im Sinne seiner Gesundheit keine andere Alternative gibt.
Wir werden uns gleich in die schöne Altstadt von Luxembourg begeben und noch einen schönen Abend verbringen, bevor es morgen über 115 Kilometer ins Saarland geht.

6. Etappe: 14.07.2016: Luxembourg (L) – Merzig (D) – Saarbrücken (D): 116 km

Ein sehr reichhaltiges Frühstück verabschiedete uns auf die längste Touretappe des Jahres 2016. Glücklicherweise hielt das Wetter und die Strecke war leicht zu fahren. Einen heftigen Berg von Schengen hoch ins Saarland bewältigten wir gemeinsam, ab dann ging es flach weiter, hauptsächlich Radweg an der Saar entlang. So gab es keine Motivationsprobleme und wir kamen gut gelaunt in Saarbrücken an. Dort erwartete uns ein Buffet mit verschiedenen Salaten und frisch Gegrilltem.
Mittlerweile haben wir 550 Kilometer zurückgelegt und 30,5 Stunden reine Fahrzeit ohne Pausen auf dem Rad verbracht. 190 Kilometer liegen noch vor uns.
Mittlerweile hat auch Florian selbst andere geschoben, Maike ist weiter froh über die Hilfe anderer, steht aber alles durch. Generell muss man sich das Schieben so vorstellen: Ein starker Fahrer drückt einen schwächeren an Schultern oder Rücken neben bzw. vor sich her. Das funktioniert aber nur, wenn der schwächere Fahrer hilft. Geschoben werden heißt also nicht, dass man die Beine hoch legen kann, es ist nur eine Unterstützung, fahren muss man immer noch selber.

7. Etappe: 15.07.2016: Saarbrücken (D) – Saargemünd (F) – Homburg (D) – Kusel (D): 105 km

Heute stand vom Profil her die leichteste Etappe auf dem Programm. Praktisch ausschließlich auf Radwegen rollten wir dahin. Somit gab es auch für keinen von uns Probleme mit den 105 Kilometern. Im Mittelpunkt stand vielmehr der Anschlag von Nizza. Ausgerechnet heute war unser einziger Halt in Frankreich. Der Empfang in Saargemünd hatte daher auch eine sehr politische Ebene. Nach einer Schweigeminute für die Opfer des Anschlags hielt der ehemalige Präsident der Eurosportpools, Fernand Rachel, sichtlich bewegt eine Rede, in der er die politische Bedeutung unserer Tour vor dem Hintergrund der vergangenen Nacht betonte, eine Tour, die für eine friedliches Europa, Toleranz und Integration steht. In Kusel hatten wir dann einen entspannten letzten Abend mit leckerem Essen und gutem Wetter. So konnte die Abschluss-Besprechung der diesjährigen Tour auch unter freiem Himmel statt finden. Herbert Ehlen fasst noch einmal die wichtigsten Ziele der Tour zusammen und betonte seine Vorstellung von Pädagogik, die darauf ausgelegt ist, Kinder zu fordern, statt die Anforderungen immer weiter herab zu setzen. Die 750 Kilometer dieser Radtour zeigen auch eindrucksvoll, was Schüler tatsächlich zu leisten vermögen, wenn man sie darauf vorbereitet. Nach der Auszeichnung der besten Spendensammler wurden die Urkunden für die Teilnehmer ausgegeben.

8. Etappe: 16.07.2016: Kusel (D) – Birkenfeld (D) – Föhren (D): 96 km

Endspurt! Naja, nicht ganz. Um von Kusel nach Föhren zu kommen, muss man bekanntlich über den Hunsrück. So hatten wir schon starke Bedenken, ob wir den offiziellen Terminplan einhalten können: Um 14:30 Uhr sollten wir bereits in Föhren ankommen und das Streckenprofil mit über 1500 Höhenmetern eignete sich nicht wirklich für hohe Geschwindigkeiten. Offenbar teilten dann auch die Organisatoren unsere Bedenken. Die Strecke wurde um 8 Kilometer verlängert, aber bis Birkenfeld gab es dafür keine nennenswerten Anstiege. Erst nach unserer verkürzten Mittagspause in Birkenfeld ging es dann zur Sache. Aber mit dem Ziel vor Augen bewältigten wir auch den Aufstieg auf 625m ü NN, um dann ins Moseltal zu rollen. Die folgende Auffahrt nach Föhren war dann auch kein Problem mehr.  Bei Vet-Concept in Föhren wurde uns dann eine überwältigende Zieleinfahrt beschert. Die Masse an Menschen, die uns zujubelten war schon beeindruckend und verstärkte die Freude, es geschafft zu haben. Leider konnte Maike ausgerechnet diesen Tag nicht so wie wir miterleben. Sie fuhr im Begleit-Bus in unser Tourziel ein, da sie schon morgens nicht mit aufs Rad durfte. Maike war mit Fieber aufgewacht und in diesem Zustand aufs Rad zu steigen, konnte man nicht verantworten. Sie war sichtlich enttäuscht, freute sich aber über eine ansonsten gelungene erste Tour und neue Bekanntschaften.Stolz konnten wir alle sein: 750 Kilometer mit ca. 9000 Höhenmetern haben wir in dieser Woche bewältigt, wieder ist viel Geld für Schulen in Ruanda zusammen gekommen und wieder haben wir Werbung für Fairplay und ein geeintes Europa gemacht. Trotz verschiedener Motivationsprobleme, Ermahnungen und auch der ein oder anderen ernsteren Ansprache hatten wir viel Spaß zusammen. Die Planung für 2017 läuft bereits…Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: wir haben wohl ein sensationelles Schulfest verpasst.