Henriette Kretz hat als jüdisches Mädchen den Holocaust überlebt. Ihre Geschichte ist so unglaublich, dass sie wie ein Film anmutet. Nur leider war sie traurige und tödliche Realität.

Stationen ihres Lebens erzählen von Hass, Ausgrenzung, Verfolgung, Hunger und der ständigen Angst, getötet zu werden. Aber auch von Hoffnung spricht diese Lebensgeschichte. Henriette Kretz berichtet auch von Menschen, die anders waren, die Mitleid hatten, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um ihr oder ihren Eltern zu helfen, sie zu unterstützen, sie zu verstecken. „Diese Menschen haben mir den Glauben an die Menschheit bewahrt“, sagt Henriette Kretz.

Geboren wurde Frau Kretz 1934 in Lemberg in der heutigen Ukraine. Sie beschreibt ihr Leben als Kind als ein glückliches. Und als Mädchen war ihr selber nie bewusst, dass sie eine Jüdin war. Ihre Kindheit endete abrupt durch den Einmarsch der Deutschen.

Sie berichtet:

Ich wollte die Deutschen sehen. Sie waren schöne Burschen. Sie waren groß, sie waren blond, sie sangen und sie lächelten. Ich fragte mich, wie so sympathische Menschen so böse sein konnten“. Mit fünf Jahren wird sie von SS-Soldaten abgeführt und schämt sich dafür. Nur Verbrecher wurden in ihrer damaligen Vorstellung so behandelt. „Und ich hatte doch nichts verbrochen!“, sinniert sie.

Es folgen Gefängnisaufenthalte, Verstecke, Flucht und immer wieder Angst, entdeckt zu werden.  

Besonders eindringlich sind ihre Erzählungen zu dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern. Abgeführt von SS- Männern findet Henriettes Vater den Mut, sich einem Soldaten entgegenzustellen. Er würde nicht mehr weitergehen und wenn er erschossen werden sollte, dann sollte es doch hier und gleich geschehen. Als der Soldat seine Waffe zieht, stürzt sich der Vater auf ihn und schreit seiner Tochter zu „lauf!“

Das Kind Henriette hört nur noch Schüsse und weiß, dass es seine Eltern verloren hat. Damals ist Henriette acht Jahre alt und findet Unterschlupf in einem katholischen Nonnenkloster, in dem sie bis zum Kriegsende verbleibt.

Henriette Kretz ist es ein Herzensanliegen, vor Schülerinnen und Schülern zu sprechen. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern frei von jeglicher Verbitterung – und gerade im Hinblick auf die Flüchtlingskrise und die politische Situation in Deutschland – bittet sie die Schüler achtsam zu sein und genau hinzuschauen, damit Hass, Ausgrenzung und Verurteilung nie wieder unser Denken und Handeln bestimmen. Und damit sich ihre Geschichte und die von Millionen nicht wiederholt.

 

Die Realschule plus und Fachoberschule Mendig dankt Frau Kretz für Ihre bewegenden und eindringlichen Schilderungen, die mit Sicherheit bei jedem der Zuhörer nachhaltig sein werden.

Nachzulesen ist das Schicksal von Henriette Kretz im Buch „Willst Du meine Mutter sein?“

 

 

Anwesende auf dem beigefügten Foto (von links nach rechts): Albert Krobbach (1. Konrektor der RS plus Mendig), Dr. Marion Retterath (Buchprojekt „Wir waren gerade mal 15 Jahre alt“), Henriette Kretz (Zeitzeugin), Ursula und Udo Winkler (Haus Israel), Christian Waters (Schulleiter der RS plus Mendig), Gernot Mittler (Buchprojekt „Wir waren gerade mal 15 Jahre alt“)